Home
Vorstand
Francois Visine
Medaille
Satzung
Impressum
Aktuelle Beiträge
Startseite
lux.jpg
Kontakt
Mitglied werden
Antrag-Drucken
Berliner Europapreis
meriteeuropeen
Francois Visine – Ein Leben für Europa
 
Francoise Visine erinnerte gern an seine bescheidene Herkunft: Nicht ohne Stolz nannte er sich „Lothringer Bauernsohn“. In der Tat erblickte er das Licht der Welt am 24. September 1922 in Haraucourt, einem Dörfchen in der Nähe von Nancy.
 
Seine Schulzeit, besonders jene in den weiterführenden Schulen, wird von dem 2. Weltkrieg überschattet. Die Zeit um den Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 blieb in Francoise Visines Gedächtnis. Schriftlich hält er fest: „Laut verliest der öffentliche Ausrufer folgende Nachricht: „Sämtliche Jungen über 18 müssen sich unverzüglich nach Dijon durch eigene Mittel begeben:
die Route geht über Epinal!“ Allgemeines Durcheinander bricht im Dorf aus. Die Mütter weinen, die Leute beraten miteinander, die Jungen rüsten sich aus: ich selbst greife zu einem Tornister, in den ich alles stopfe, was mir meine Eltern reichen. Nachdem ich den Champagner mit ihnen und den Brüdern getrunken und alle geküsst habe, verlasse ich sie mit den Worten: „Wir sehen uns wieder!“ Ziemlich gerührt, steige ich mit feuchten Augen auf mein Rad und fahre ab, wie alle anderen Jungen...“ Nach Lothringen zurückgekehrt, besucht er das Nanziger „Lycée Henri Poincaré“. Es ist eine entbehrungsreiche Zeit (er sprach von „karger Kost: viele Weiß- und Kohlrüben – fast keine Kartoffeln und kein Fleisch – kaum 300g Brot „ und dass er im Schuljahr 1942/43 in 6 Monaten 18 Pfund abgenommen habe) . Dennoch besteht er das Abitur mit der Note „sehr gut“.
Im Anschluß daran studiert er an der juristischen Fakultät in Nancy. Hier erringt er zahlreiche Preise in Jura und Volkswirtschaft und promoviert 1949 mit einer Arbeit über „Turgot – Seine Vorstellung der Sozialrevolution“ zum Dr. jur. Nicht genug damit: er verfasst eine zweite Dissertation und erhält 1952 den Titel eines „Doktors der Wirtschaftswissenschaften“. Gleichzeitig bekommt er den „Prix Lucien Brocard“.
 
Seine berufliche Tätigkeit – er wird am 2. August 1951 Hauptverwalter in der Abteilung „Wirtschaft und Finanzen“ des internationalen Sekretariats der NATO – kann er mit Lehraufträgen an der Pariser juristischen Fakultät, der Nationalen Steuerschule und der berühmten Handelshochschule verbinden. 1959 wird er Rechtsberater der NATO-Instandhaltungs- und Versorgungsagentur, der NAMSA (North Atlantic Maintenance and Supply Agency).
 
1960 beginnt er mit den Arbeiten an einer Enzyklopädie Europas: „L’ABC de l’Europe“ (das A und O Europas). Bei seinen Forschungen keimt die Idee, sein Vorhaben einzurahmen, es in eine Vereinsstruktur einzufügen. So gründet er am 24. September 1966 den „Club de l’ABC de Europe“ mit Sitz in Paris. Diese Vereinigung wird damit beauftragt, „die Wahrnehmung der europäischen Wirklichkeit durch alle geeigneten Mittel zu erleichtern und insbesondere die Verfassung und Verbreitung aller Werke enzyklopädischer Beschaffenheit über das werdende Europa zu fördern“. 1967 kommt der erste Band von „L’ABC de l’Europe“ heraus. Er behandelt das politische Europa. Im Jahr darauf erscheint der zweite Band, der das juristische Europa betrifft.
 
Nachdem die NAMSA von Paris nach Luxemburg verlegt worden ist, entschließt sich Francois Visine, seine europäische Tätigkeit ebenfalls in Luxemburg fortzusetzen. Vorher schafft er am 8. Februar 1969, im Rahmen besagten Clubs, den „Mérite Européen“ (Verdienst um Europa), ein Ehrenzeichen, das den Einsatz der Empfänger „für die Vereinigung der
europäischen Völker in Freiheit, Frieden und Brüderlichkeit“ würdigt. Es wird zum ersten Mal am 26. April 1969 im Pariser Hotel Lutetia verliehen.
 
Im Laufe jenes Jahres wird auch der dritte Band von „L’ABC de l’Europe“ herausgegeben, der das wirtschaftliche Europa beschreibt. Im darauffolgenden Jahr erscheint der dem technischen Europa gewidmete vierte Band. Der fünfte – militärisches Europa – wird 1972 veröffentlicht.
Innerhalb Francois Visines europäischer Aktivität ragt das Jahr 1970 heraus: die Gründung der Stiftung Mérite Européen. Sie ist eine Vereinigung ohne Gewinnzweck luxemburgischen Rechts und löst damit den Club ab. Unter ihren Stiftern waren namhafte Journalisten, sowie leistungsfähige höhere Beamte und überzeugte Europa-Verfechter.
 
Francois Visines politische Engagement zeichnet sich durch eine dreifache Anhänglichkeit, ja Beharrlichkeit aus: HUMANISMUS, FREIHEIT, EUROPA. Schon im Juni 1946 tritt der junge Jurastudent aus Nancy dem „Mouvement Républicain Populaire“ bei, der Partei, dem auch Robert Schuman, seinem grossen Vorbild für den Europagedanken, angehört. Später finden wir Francois Visine an der Seite von Abbé Pierre, einem unerschütterlichen Glaubenskämpfer gegen die Armut; und schließlich zusammen mit dem bedeutenden Volkswirtschaftler Jacques Rueff  und dem prominenten Staatsmann Antoine Pinay beim „Mouvement pour une Société libre“. Diese Bewegung tritt für die Achtung vor dem Menschen und die Freiheit ein. Ihr fügt Francois Visine die Förderung des europäischen Ideals hinzu. Sein Schreibtalent schont er nicht: die seiner Feder zu verdankenden Artikel sind ebenso schwer zu zählen, wie seine Teilnahmen an Kongressen und Konferenzen, die vornehmlich europäische Probleme und Lösungen betreffen.
 
Francois Visine, der Lothringer Bauersohn, der Doktor der Rechte, der Doktor der Wirtschaftswissenschaften, der Preisträger der juristischen Fakultäten sowie der französischen Akademie der geistigen und politischen Wissenschaften und der Französischen Akademie, das Mitglied des Europäischen Ehrensenats, der Offizier des Luxemburgischen Ordens der Eichenlaubkrone und Kommandeur des Luxemburgischen Verdienstordens stirbt 1998 im Alter von 76 Jahren. Sein europäisches Vermächtnis zu erfüllen ist Verpflichtung des Präsidiums des Mérite Européen und des Freundes- und Förderkreis Deutschland.
Visine.jpg
med1.gif
MÉRITE EUROPÉEN